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Kritischer Dialog damals und heute
zusammengestellt von Daniel Kulla

Michael Brenner, Geschichte des Zionismus, München 2002, S. 107

Mit der Zuspitzung der politischen Lage in Europa versuchten die Achsenmächte Deutschland und Italien, sich die komplizierte Lage der Engländer zu Nutze zu machen. Mussolini unterstrich von seinen afrikanischen Stützpunkten in Libyen und Äthiopien seine Ansprüche auf größeren Einfluß im östlichen Mittelmeerraum, während Hitler bemüht war, die deutsche Position in der arabischen Welt durch kulturelle und wirtschaftliche Aktivitäten zu fördern. Neben der Betonung des gemeinsamen Gegners versuchten die Nationalsozialisten die panarabischen Bestrebungen vor allem dadurch zu fördern, daß sie sie mit der Bildung eines Großdeutschen Reiches in Verbindung brachten.

Spiegel Online, 5. Oktober 2004: Schröder warnt vor Kulturkampf

"Wo Verständnis, Offenheit, Toleranz und auch Neugierde herrschen, da wird es nicht mehr gelingen, einen Keil zwischen die arabische und die westliche Welt zu treiben", erklärte er laut Redemanuskript am Dienstag bei der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse und fügte hinzu: "Wer immer das dennoch versucht, hat mit unserem entschiedenen Widerstand zu rechnen." Die arabische Welt ist in diesem Jahr Gastland der Veranstaltung, die bis Sonntag dauert.

Schröder appellierte an die arabischen Völker, sich energisch für Frieden in der Region einzusetzen. "Es gibt im arabischen Raum hoffnungsvolle Zeichen für eine verstärkte Zusammenarbeit. Und die Arabische Liga hat hierbei eine wichtige Aufgabe." Ein geeintes Arabien erscheine heute noch als Utopie, doch das habe vor nicht einmal 60 Jahren auch für Europa gegolten.

FAZ.net, 5.10.2004: Schröder fordert Dialog mit dem Islam

Sat1.de, 5.10.2004: Schröder erinnert an Gemeinsamkeiten von Okzident und Orient

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat bei der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse an die Gemeinsamkeiten von Orient und Okzident erinnert und für mehr Dialog geworben.

Schröder bezeichnete die Wahl des Gastlandes als großen Erfolg, weil damit die große Chance verbunden sei, das Bild der arabischen Welt in ein neues, umfassendes Licht zu rücken. «Allzu leichtfertig, gedankenlos und manchmal auch aus Unwissenheit werden über den Islam oder die Muslime sehr pauschale Urteile gefällt, statt die Verschiedenartigkeit des Islam und die Vielfalt der orientalischen Kultur und Gesellschaften zu erkennen», sagte er unter Beifall des Publikums.

Die Gemeinsamkeiten zwischen Ost und West hob auch der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, hervor. «Unsere menschliche Zivilisation bildet ein einziges Ganzes, obgleich in kultureller Vielfalt und Differenz», sagte er. Mussa wies auf die Notwendigkeit einer Lösung des Konflikts zwischen Israel und Palästina hin. Eine Lösung sei möglich, «wenn wir gemeinsam daran arbeiten und dem Unrecht entgegentreten».

ORF.at, 7.10.2004: Der syrische Exilautor Rafik Schami findet deutliche Worte der Kritik.

Schami ist im deutschsprachigen Raum populär, in den arabischen Staaten kennt kaum jemand seine Bücher: "Man kennt mich in Arabien nicht, weil ich in allen Ländern auf allen schwarzen Listen stehe. Das ist der höchste literarische Preis, den ich bekommen kann. Das heißt, die Herrschenden dort verstehen wohl meine Literatur."

Übersetzungsangebote, die mit Zensurforderungen verbunden waren, habe er bisher immer abgelehnt: "Es wäre ein Verrat nicht nur an meinen Kolleginnen und Kollegen, die im Gefängnis sitzen wegen eines Gedichts, sondern auch Verrat an mir selbst. Ich habe doch nicht all die Jahre des Exils in Kauf genommen, damit ich mich jetzt zensieren lasse."

Inzwischen sei außerdem eine Übersetzung seiner Werke ins Arabische in Arbeit, die, so hofft der Autor, irgendwann nach Syrien geschmuggelt und auch dort gelesen werden wird.

Schami wirft der Arabischen Liga vor, in erster Linie staatstragende Schriftsteller eingeladen zu haben. "Die Arabische Liga ist nichts anderes als ein Klub der Diktaturen. Auf alle Anfragen bei mir hat sie eine Absage bekommen, weil ich nicht auftrete bei einem Verein, der zu den Verhaftungen schweigt."

Daher will er auch nur abseits der Präsentationen der Liga auftreten. Denn deren Beauftragung mit der Organisation sei für ihn, "wie wenn man Effenberg oder Bohlen beauftragt, ein Seminar über Adorno oder Horkheimer zu halten", so Schami.

Seit 33 Jahren lebt Schami im Exil. Dieser Umstand habe ihm die deutsche Sprache geschenkt und ihm damit einen weit einfacheren Zugang zu den Weltsprachen beschert als mit Arabisch.

Heimwehanfälle bekämpft der Exilautor mit Kardamom-Kaffee, Liedern der libanesischen Sängerin Fairus und den Tratschgeschichten seiner in Damaskus lebenden Schwester.

 

Kulla at Commonwealth War Memorial Alamein
host: Daniel Kulla @ Systemausfall '90 Verlag